Hagelbekämpfung durch Hagelraketen

In einigen Ländern der Erde werden Hagelraketen im Einsatz der Hagelbekämpfung eingesetzt. Auch in der Schweiz hat diese Form der Hagelabwehr eine lange Tradition. Das Hagel Informationszentrum war vor Ort zu Besuch beim Hagelabwehrverband Ostschweiz, und hat dazu einige interessante Informationen erhalten.
Hagelraketen

Versuche mittels Wetterraketen Unwetter zu vertreiben, gibt es schon seit Anfang des 20. Jahrhunderts. Allein die Explosion und der Krach sollte Hagelschlag vermeiden. Nach Entdeckung der Wirkung von Silberiodid (auch Silberjodid) Ende der 40er Jahre, startete man verschiedene Versuche Raketen mit Silberjodid in Wolken zu schießen, um diese vorzeitig abregnen zu lassen. Erste, teils auch sehr umstrittene Experimente gab es in den USA und in England. Vor allem war ein großes, militärisches Interesse an der Wetterbeeinflussung vorhanden.

Neben des Wettermachens, der Hagelabwehr und der Beeinflussung von Hurrikane auf dem Atlantik, erkannte man auch weitere sinnvolle Einsatzgebiete der Raketen, wie etwa das Abregnen von Wolken in extrem trockenen Regionen unserer Erde. Deshalb gab es auch schnell erste Forschungsversuche in Russland und dem heutigen Georgien. Diese Raketen flogen bis auf Höhen von 5000-7500 Meter. Vorteil dieser Langstrecken war vor allem das zielgenaue Impfen in der Hagel-Wachstumszone und in einer Umgebungstemperatur, in der Silberjodid eiskeimbildend wirkt.

Ein entscheidender Nachteil ist die Gefährdung der zivilen Luftfahrt. Die selben Raketen wurden in den Jahren 1978 bis 1983 auch bei Schweizer Forschungsversuchen (Großversuch IV) im Napfgebiet eingesetzt. Heute weiß man, dass eine Schadhagelminderung von bis zu 80%, wie sie damals von russischer Seite angenommen wurde, nicht der Fall ist. Das Forschungszentrum in Karlsruhe hat eine Zusammenfassung von weiteren, weltweiten Versuchsprojekten mittels Hagelraketen veröffentlicht (Radar-Info.de).

Analysen des in Südwestfrankreich praktizierten Impfens mit kleinen Bodenraketen zeigen für den Zeitraum zwischen 1988 und 1995 eine Verringerung der Hagelenergie um 15 % für alle Gewitter und eine Verringerung um 25 % für die nach Osten ziehenden Gewitter. Gewitterimpfung mit Bodenraketen wird neben Südwestfrankreich auch in Südosteuropa und den Ländern der ehemaligen Sowjetunion praktiziert. In den ehemals jugoslawischen Republiken wurde dazu ein dichtes Netz von Posten am Boden geschaffen (5 km Gitterlänge), die bei aufziehenden Gewittern benachrichtigt werden und die Hagelraketen abschießen.

Auch in der Provinz Mendoza in Westargentinien, einer der am meisten von Hagelgewittern betroffenen Regionen der Welt, wird seit 1985 Hagelabwehr nach der russischen Methode betrieben. Diese ist in den letzten Jahren automatisiert worden, so dass anhand von Radarmessungen der entstehenden Gewitterzellen automatisch die notwendige Menge Silberjodid (d.h. die Anzahl der notwendigen Raketen) berechnet wird und anhand der Zugbahn der Gewitterzellen die entsprechenden Startplätze aktiviert werden. Seit 1998 ging man in Mendoza dazu über, die Impfung mit Kristallisationskeimen zusätzlich auch von Flugzeugen aus vorzunehmen.