Hagelraketen in der Schweiz

Im Herbst 2008 waren wir zu Besuch beim Hagelabwehrverbund Ostschweiz, die in der Region Thurgau, südlich des Bodensees, im Einsatz sind. Projektleiter Emil Müller gab dem Hagel Informationszentrum in einem Interview interessante Informationen zum Thema Hagelabwehr durch Hagelraketen in der Schweiz.
Hagelabwehrverbund Ostschweiz

Gegründet wurde der Verband 1952, der mittlerweile aus 40 mitwirkenden Gemeinden besteht. Unterstützung finden sie u.a. von den Thurgauer Obstverbänden und der Gebäudeversicherung. Knapp über 200 Schützen (Stand 2008) verbinden das Netzwerk in einem etwa 1500 km2 großem Gebiet im Voralpenland. Eine gut funktionierende Organisation, die den Schutz von Landschaften, Kulturen, Gärten, Gebäuden, Autos, usw. optimieren und die jährlich anfallenden großen Schadensummen in vielfacher Millionenhöhe, minimieren will.

Alarmiert werden die 200 Schützen von den rund 7 Alarmzentralen, Personen die nach einer Benachrichtigung des Schweizer Wetterdienstes Meteoschweiz und des Radarunternehmens der ETH, Meteoradar, per Internet die aktuellen Wetterbedingen und Radarbilder auswerten, um die Entscheidung zu treffen ob geschossen wird, oder nicht. Die Region Thurgau liegt im Einflugbereich des Züricher Flughafens. Vor einer Schussbewilligung an die Schützen, muss eine entsprechende Genehmigung von der Flugsicherung Skyguide, eingeholt werden, damit der Flugverkehr in diesem Zeitraum umgelenkt werden kann.

Eine Vorlaufzeit von mindestens 15 Minuten soll dabei eingehalten werden. Dies lässt erkennen, wie schwierig es ist, bei einem plötzlich sich bildendem Gewitter, Hagelraketen zeitnah abschießen zu können. Trotz der Genehmigung der Flugsicherung, dürfen die Raketen nur eine bestimmte, maximale Höhe erreichen. Deshalb gibt es unterschiedliche Typen von Raketen. Typ 1 erreicht eine maximale Höhe von 1000 Meter, Typ 2 erreicht 1250 Meter, Typ 3 erreicht 1500 Meter, und Typ 4 erreicht eine Höhe von maximal 1800 Meter. Letztere ist im Raum Thurgau nicht genehmigt, da eine Gesamthöhe von etwa 2200 Meter ü.NN. überschritten werden würde.