Hagelzone Schwarzwald
Die Region des östlichen Schwarzwaldes gehört zu den hagel- und gewitteraktivsten Gebieten in Europa. In den Jahren 2002 und 2006 kam es vor allem im Raum Villingen-Schwenningen zu schlimmen Hagelkatastrophen.
Die Gewitterentstehung in der Region
Die Topografie der Region scheint sich recht günstig auf die Bildung von sommerlichen Gewitterzellen auszuwirken. Der Hochschwarzwald und Nordschwarzwald im Westen mit Höhen von bis zu 1.493 m ü. NN, und die Westalb sowie der Schönbuch im Osten mit Höhen von bis zu 1.015 m ü. NN, bilden eine Talebene entlang der Baar und eine nach Osten verlaufende Ebene im Gäu, die selbst eine Höhe von 500 - 800 m ü. NN erreicht.
Die feuchtwarmen Luftmassen aus der Rheinebene und der Bodenseeregion wehen nach Norden über den Schwarzwald zur Baar und zur Schwäbischen Alb. Die östlichen Hochebenen heizen sich zudem schnell auf. Die Anströmung und die Thermik entlang den Bergketten lässt frühzeitig am Tage erste Quellwolken entstehen.
Wohlmöglich sind es die Südwinde der Baar, die an manchen Tagen eine besondere Windscherung in der unteren Atmosphäre begünstigen, während der Wind zwischen dem Südschwarzwald und dem Nordschwarzwald aus dem Kinzigtal westliche Richtungen einschlägt. Eine konvergente Strömung entsteht zwischen dem oberen Neckartal, der Westalb und der Gäuebene bis hin zum Schönbuch bei Herrenberg (vgl. auch K. Daubert 1956/1978 und M. Kunz, 2009/2010).
Gewitter, die im Hochschwarzwald oder im Lee entlang der Konvergenzlinie entstehen, ziehen nicht selten mit enormer Verstärkung über die Baar und Gäuebene hin zur Schwäbischen Alb, bzw. in Richtung der ebenso stark hagelgefährdeten Neckar-Alb-Region zwischen Stuttgart und Reutlingen.
Knapp zwei Starkhagelereignisse pro Jahr (Hagel ab 50 mm Durchmesser)
Seit dem Jahr 2001 stehen recht vollständige Daten zur Verfügung, was eine erste, vorsichtige Auswertung bis heute (2008) ermöglicht. Von einer klimatologischen Messreihe kann in diesem kurzen Zeitraum nicht die Rede sein, jedoch lässt sich ein erster Trend ablesen.
Kleiner bis mittelgroßer Hagel und moderate Schäden, vor allem in der Landwirtschaft, treten allgemein sehr häufig und überall in Deutschland auf. Signifikant wird es jedoch erst im Bereich ab 40-50 mm (Starkhagel) Hageldurchmesser. Dies entspricht etwa der Größe eines Golfballs.
Indirekt können diese Werte einen ersten Hinweis auf mögliche Superzellen geben. Zudem steigt das Schadenspotential, abgeleitet von der theoretischen Aufprallenergie, enorm an. Deshalb begrenzen wir die Datenauswertung auf Werte oberhalb von 50 mm (H4). Seit dem Jahr 2001 wurden bislang folgende H4-H6 Hagelereignisse bestätigt (nur Region Schwarzwald-Baar-Heuberg!). Angaben beziehen sich auf den maximalen Hagelkorndurchmesser in Millimeter.
28. Juni 2001 Region Schwarzwald und St. Georgen 80 mm (H5)
06. Juni 2002 Tuttlingen 50 mm (H4)
24. Juni 2002 Villingen-Schwenningen 100 mm (H6)
14. Juni 2003 Villingen-Schwenningen 50 mm (H4)
08. Juli 2004 St. Georgen, Frittlingen 80 mm (H5)
10. Juni 2004 Region Deilingen und Schömberg 35-50 mm (H3/H4)
28. Juni 2005 Neufra, Rottweil 50 mm (H4)
28. Juni 2006 Villingen-Schwenningen, Trossingen 120 mm (H6)
29. Juni 2006 Schwenningen 40-55 mm (H4)
29. Mai 2008 Region Rottweil 50 mm (H4)
02. Juni 2008 Region Sulz und Horb am Neckar 80 mm (H5)
29. Juli 2008 Region Schwenningen 50 mm (H4)
Durchschnittlich ergeben sich so 1,7 Starkhagelereignisse pro Jahr auf einer Fläche von nur 2.500 km2. Ähnliche Werte (1,4) werden in der Region um den Starnberger See in Bayern verzeichnet. Vor allem in einem Streifen vom Schwarzwald entlang der Schwäbischen Alb bis zum bayerischen Alpenvorland trifft man auf Werte, die deutlich über dem Durchschnitt liegen. Auffällig ist zudem die zeitliche Verteilung der Ereignisse, die sich hauptsächlich auf Mitte bis Ende Juni konzentriert.
Hagelflieger in Villingen-SchwenningenSeit dem Jahr 2010 steht für die Region Villingen-Schwenningen ein Hagelflieger bereit. Kostenpunkt liegt etwa bei 150.000 Euro pro Jahr. Realisiert wird das Ganze von einem eigens gegründeten Hagelabwehr-Verein. Unterstützung findet dieser von regionelen Firmen und einzelnen Gemeinden. Der Erfolg dieses Vorhabens wird stark kritisiert.
Zudem ist dieses Projekt das uns einzig bekannte auf der Welt, das mit dem Einsatz eines einzelnen Hagelfliegers eine Stadtregion vor Hagel bewahren möchte, und nicht wie sonst üblich, landwirtschaftliche Kulturen. Weltweite Studien zeigen beim Versuch Großhagel (Schadhagel für z.B. Dachziegel, Fensterscheiben etc.) abzuwehren bislang keinen Erfolg. Nur kleiner und mittelgroßer Hagel (Schadhagel für die Landwirtschaft) konnte bislang durch organisierte Hagelabwehr vermindert werden. Dies spricht ebenso gegen den erfolgreichen Einsatz eines Hagelfliegers im Kampf gegen Hagelschäden in einer Stadt (Autos, Dächer, Fassaden etc.).
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